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Menschen – Verena Thöle, eisq, über eine Herzensangelegenheit

Ein Sonntag im Krankenhaus. Die Stelle an meinem Arm schimmert grün-gelb und blau. Natürlich habe ich nach dem Blutabnehmen wieder nicht lange genug fest gedrückt. Mir geht es gut, ich bin gesund und ich habe auch keine Angehörigen besucht. Aber es könnte ein Familienmitglied hier im Krankenhaus liegen – oder mein „genetischer Zwilling“ irgendwo weit weg auf meine Hilfe warten. Eine beeindruckende Vorstellung und der Grund, mich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS typisieren zu lassen.

Herzensangelegenheit oder doch „nur“ Selbstverständlichkeit?

Den Organspendeausweis trage ich seit meinem 18. Geburtstag bei mir. Aber erst jetzt habe ich es geschafft, mich typisieren zu lassen. Die Frage ist nicht „Warum?“ Die eigentliche, unangenehmere Frage lautet: „Warum erst jetzt?“ bzw. „Warum nicht?!“ Weil es zu einfach ist, um es nicht zu machen. Ein bemerkenswert standardisierter, erfolgreicher, und für den Spender einfacher Prozess: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein. Perfekt für alle, die kein Blut sehen können oder möchten. Diese Ausrede gilt schon einmal nicht. Warum dann doch die Blutabnahme bei mir und kein Wangenabstrich? Weil die Befunde voll verwertbar sein sollen und bei weitergehenden Untersuchungen sowieso Blut abgenommen werden müsste. Dann doch bitte gleich vollständig!

Den unspektakulären Pieks an meinem linken Arm bekam ich durch eine der unzähligen Freiwilligen, die für die Typisierungsaktion einige Stunden ihres Sonntags spendeten. Mehrfach wurde die Zugehörigkeit der Probe zu meinen Daten überprüft und schriftlich und mündlich auf den Datenschutz hingewiesen: Die Gewebemerkmale werden anonymisiert weitergegeben. Auch dieser Punkt ist also abgehakt.

Eine weitere Frage: Was ist mit einer vorhandenen gesundheitlichen Einschränkung oder (chronischen) Krankheit? Ein triftiges Gegenargument, doch auch wenn Sie unter Umständen kein Spender sein können, verstehen vielleicht genau Sie die Sorge von Betroffenen und ihren Angehörigen oft am besten und können wertvollen seelischen Beistand leisten, wenn Sie gebraucht werden.

Vielen geht es ähnlich: Da ist dann die Angst vor der weiteren Prozedur bis zum „Eingriff“. Natürliche Vorsicht ist zwar gesund, aber wer sich Blut abnehmen lässt, übersteht genauso die Zellentnahme. Mehrfache Untersuchungen und Tests sind Voraussetzung, um festzustellen, ob Sie zum fraglichen Zeitpunkt und grundsätzlich Spender werden können. Auch die Bereitschaft zurückziehen ginge noch. Hier schützen Aufklärung und Information vor Unsicherheit und schlicht falschen Annahmen. So werden zum Beispiel nur in ca. einem Fünftel der Fälle Stammzellen nicht der Blutbahn, sondern tatsächlich dem Knochenmark entnommen. Gewusst? Ich vorher nicht, habe aber schnell gut verständliche Informationen gefunden unter http://www.dkms.de/grundlegende-informationen. Auch Berichte von Spendern und Betroffenen helfen sehr, denn keiner kann die Situation besser und überzeugender vermitteln. Ich hoffe, im Falle eines Falles auch mit dieser Selbstverständlichkeit helfen zu können und nicht nur, weil ich mir wünsche, dass dies auch jemand für mich tun würde.

Das Pflaster an meinem Arm brauche ich inzwischen nicht mehr. Der Pieks ist fast nicht mehr zu sehen und wird mich nicht mehr lange daran erinnern, dass es höchste Zeit war, loszugehen und etwas Wichtiges zu erledigen. Herzensangelegenheit und Selbstverständlichkeit.

www.dkms.de/spender-werden