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Markus Stephan schreibt für Sie in Menschen

Schützenverein 4.0

Markus Stephan ist 1. Chef des kleinen Schützenvereins in Düsseldorf-Stockum und erklärt uns, warum die Themen Social-Media und Digitalisierung nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Schützenvereine überlebensnotwendig sind.


Als ich 1987 mit 16 Jahren in den Schützenverein eingetreten bin, war die Reaktion in meinem Freundeskreis nicht viel anders als heute. Auch 30 Jahre später stößt mein Hobby oft auf Unverständnis und Verwunderung. Für viele Menschen ist das Schützenwesen antiquiert, Heimat für Ewiggestrige mit einer Vorliebe für Marschmusik und Bier; ein Unterschichtenhobby.

Es ist aber gerade das Verbindende, was mich von Anfang an am Schützenwesen fasziniert hat und bis heute fasziniert. Klaus Bungert war Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf und ebenso Mitglied in unserem Verein wie viele Handwerker, einfache Arbeiter, Studenten oder Schüler, so wie ich es damals war. Auch Altersunterschiede zwischen den Mitgliedern spielen keine Rolle, die Meinung eines Jungschützen findet ebenso Gehör wie die eines erfahrenen Schützen. Und wenn es etwas zu feiern gibt, sind alle Mitglieder des Vereins natürlich dabei.

 

Aber Schützen feiern nicht nur, sie sind sich auch der sozialen Verantwortung in ihrem Stadtteil bewusst. Es sind häufig nicht die Kirchen oder die Schulen, die zu St. Martin den traditionellen Martinszug veranstalten, sondern die Schützen. Als in der Nachbarschaft unseres Schützenplatzes eine Flüchtlingsunterkunft eröffnet wurde, haben wir die Kinder in der Unterkunft zu einem Kirmesbesuch eingeladen. Finanziert wurde der Kirmesrundgang übrigens durch Spenden der Mitglieder unseres Vereins. Andere Vereine organisieren regelmäßig Veranstaltungen für sozial benachteiligte Menschen in ihrem Stadtteil.

So wie der Stadtteil Stockum selbst, ist auch der Schützenverein dort relativ jung. Im letzten Jahr haben wir unseren 65. Geburtstag gefeiert; nichts im Vergleich mit anderen Vereinen, wie z. B. der Bruderschaft aus dem benachbarten Stadtteil Kaiserswerth, die bereits im Jahr 1285 gegründet wurde. Von daher hat das Schützenwesen auch viel mit Tradition zu tun.

Zwischen der Düsseldorfer Messe, dem Flughafen und der Esprit Arena mag der Schützenplatz oft wie ein Relikt aus grauer Vorzeit erscheinen. Dennoch ist die Kirmes und das Schützenfest zu Pfingsten in jedem Jahr ein traditioneller Treffpunkt für viele Stockumer Bürgerinnen und Bürger, egal ob alt oder jung. Dazu trägt sicher auch das Ambiente bei, denn der Nordpark bietet auch optisch einen tollen Rahmen für das Schützenfest und die Kirmes. Für viele Besucher ist der Schützenplatz in Stockum einer der schönsten in Düsseldorf.

Als ich vor einem Jahr zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde, war mir wichtig, ein Zeichen für die Modernisierung des Vereins zu setzen. Sowohl intern als auch nach außen hat sich der Verein seitdem in vielen Bereichen modernisiert.

Von der Doodle Liste, mit der Schützenfestbesuche koordiniert werden, über die WhatsApp-Gruppe in der sich zwischen den Versammlungen ausgetauscht wird, bis hin zur Cloud, in der Dokumente für alle Vorstandsmitglieder gespeichert werden. Manches Unternehmen wäre froh, beim Thema Digitalisierung bereits so weit zu sein wie unser kleiner Schützenverein.

Für den externen Auftritt gibt es eine Webseite mit allgemeinen Informationen und den aktuellen Königspaaren. Termine sowie aktuelle Fotos und Beiträge werden über die Facebook-Seite des Vereins geteilt. Über Social Mediaerreichen wir heute deutlich mehr Mitglieder und Freunde des Vereins als in der Vergangenheit. Früher gab es zum Schützenfest nur eine Festzeitschrift mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Heute erreichen die Beiträge, Fotos und Videos unserer Facebook-Seite bis zu 4.000 Nutzer.

Wie in einem Unternehmen gibt es auch in unserem Verein Regeln für das Bespielen der Kanäle. Festzeitschrift und Internetauftritt werden durch den Vorstand organisiert und redaktionell betreut. Facebook-Beiträge werden hingegen von verschiedenen Mitgliedern erstellt. Eine Rücksprache mit dem Vorstand ist dabei nicht vorgesehen. So werden Beiträge und Bilder spontan auf Facebook veröffentlicht und sind authentisch.

Wie ein Unternehmen unterschiedliche Zielgruppen anspricht, so muss auch in unserem Verein der Mix stimmen: Junge Mitglieder sind in den sozialen Medien unterwegs und die älteren Mitglieder wollen zu Schützenfest Ihre Festzeitschrift lesen. Das eine tun, ohne das andere zu lassen ist also auch hier die Devise; das ist die Parallele zu meiner täglichen Arbeit und ich bin froh, meine Erfahrungen in den Verein einfließen lassen zu können. Und gleichsam kann ich aus den Reaktionen der Mitglieder des Vereins viel über die Akzeptanz von Digitalisierung und Kontaktkanälen lernen... eine klassische Win-Win-Situation.

Über den Autor

Markus Stephan startete seine Karriere im Rahmen des Betriebsversuches für kostenpflichtige Mehrwertdienste 1993 bei der Telecall in Düsseldorf.

Nachdem er als Projektmanager und Marketing-Leiter für zwei Düsseldorfer Unternehmen gearbeitet hatte, ging es 2007 zur next id nach Bonn.

Als Leiter Lösungsvertrieb ist Markus Stephan heute für viele Unternehmen kompetenter Ansprechpartner bei der Realisierung komplexer Projekte rund um den OmniChannel Kundendialog.